Schon nach den ersten Metern wird klar: Das sind zwei unterschiedliche Charaktere. Der Castor ist das kompromisslose Offroad-Gerät, der Pollux der zugelassene Allrounder für Straße und Alltag.
In diesem Bericht schauen wir uns alles an, was Castor und Pollux im Gelände ausmacht — von den Reifen bis zum Tempomat. Wer nur die nackten Zahlen will: die volle Datenblatt-Tabelle steht ganz unten.
Über mehrere Wochen im Test: André mit Castor und Pollux im Rheingau-Revier.
Was das Gelände fordert
Bevor wir die Modelle gegeneinander stellen: Welche Eigenschaften zählen im Wald, auf Schotter und Wurzelpfad wirklich? Unser Anforderungsprofil für dieses Revier — die Brille, durch die wir alles Weitere betrachten.
Wie stark jede Eigenschaft auf Wald, Schotter und Wurzelpfad gefordert wird.
Display & Speed-Test am Holzblock
Der wohl anschaulichste Test: Beide Modelle bieten drei Fahrstufen. Die konkreten Geschwindigkeiten haben wir direkt am Display abgelesen im Praxistest gemessen:
| Fahrmodus | Castor | Pollux |
|---|---|---|
| Eco | 20 km/h | 5 km/h |
| Drive | 35 km/h | 15 km/h |
| Sport | 45 km/h | ~22 km/h |
| Tempomat | ja | nein |
Der zuletzt gewählte Modus wird gespeichert — einschalten, losfahren. Ein Komfort-Plus nur beim Castor ist der Tempomat: Hält man eine konstante Geschwindigkeit, übernimmt das System, bis man bremst.
Scooter aufgebockt, das Antriebsrad dreht frei — so lässt sich jeder Modus voll ausfahren und am Display die echte Höchstgeschwindigkeit ablesen, ohne einen Meter zu fahren.
Das Setup: Castor auf dem Holzblock, Antriebsrad frei drehend.
Castor fährt im Sport-Modus 45 km/h aus, Pollux ist gedrosselt bei rund 22 km/h — live am Display ablesbar. Beim Castor: ‹ › schalten zwischen Modi-Test und dem Lauf mit Licht + Tempomat.
Die Reifen
Beide Modelle rollen auf demselben Setup — und das ist im Gelände Gold wert: das große Volumen bringt Laufruhe, das grobe Profil den Grip auf losem Untergrund.
Zoom auf den vorderen Reifen: Profiltiefe und Offroad-Stollen aus nächster Nähe.
Drei physikalische Gründe, warum großes Rad plus Tiefprofil auf losem Untergrund überlegen sind:
Überrollwinkel: Je größer der Durchmesser, desto flacher rollt das Rad über Wurzeln und Steine — weniger harte Schläge, mehr Kontrolle.
Luftvolumen: Mehr Luft im Reifen heisst mehr Eigendämpfung — Unebenheiten werden geschluckt, noch bevor die Federung arbeiten muss.
Profil & Aufstandsfläche: Größerer Latsch und tiefe Stollen erzeugen mechanischen Grip — sie verzahnen sich mit dem Boden und verdrängen loses Material statt durchzudrehen.
Die Federung
Vorne arbeitet eine Doppelfederung mit zwei Stossdämpfern, hinten ergänzt ein zentraler Stossdämpfer das Setup. Gerade auf verwurzelten Waldwegen ist das entscheidend für Kontrolle und Komfort — eine Auslegung, die klar auf Offroad zielt.
Mit 144 kg maximaler Zuladung sind beide robust ausgelegt — dort, wo viele E-Scooter schon bei 100–120 kg enden. Im Praxistest blieb die Federung auch auf Wurzelpfäden und Schotter satt und kontrolliert, ohne durchzuschlagen.
Der Antrieb
Hier trennen sich die Wege. Der Castor liefert 1320 W Spitzen- und 900 W Dauerleistung bei 40 Nm Drehmoment — Steigungen bis 20 % sind möglich. Der Pollux ist zurückhaltender: 1200 W Spitze, 500 W Dauer, 35 Nm, 18 % Steigfähigkeit. Absolut ausreichend für den Alltag — aber deutlich weniger aggressiv im Gelände.
Castor (orange) gegen Pollux (silber) — Herstellerwerte, Balkenlänge normiert auf den höheren Wert.
Antrieb in Aktion: der Castor im Rheingau-Wald — aufgenommen vom gegenüberliegenden Hang.
Und aus der echten Vogelperspektive zeigt sich, in welchem Revier der Castor unterwegs ist — Drohnen-Aufnahmen über die Weinberge des Rheingaus:
Drohne über das Rheingau-Revier — 4K-Aufnahmen aus Phase I (stummgeschaltet im Loop, Ton per Download).
Und die Steigung? Statt zu schätzen haben wir gemessen — Schritt für Schritt, mit der Neigungs-Messbox direkt am Trittbrett. Von 11,5 % bis 13 %, wie sie auf unseren Offroad-Strecken dauerhaft vorkommen, zog der Castor souverän durch — mit Luft nach oben bis zu den 20 % laut Datenblatt.
Gemessene Steigung: 11,5 % (links) und 13 % (rechts) — mit der Neigungs-Messbox direkt am Trittbrett dokumentiert.
Robust gebaut heißt nicht unhandlich. Der Castor ist gut ausbalanciert und lässt sich problemlos tragen — über Stufen, über Hindernisse oder ins Auto. Genau das zählt, wenn das Gelände mal endet und der Rest zu Fuß geht.
Und das bei voller Offroad-Ausstattung: 12-Zoll-Reifen, Doppelfederung vorne und hinten, herausnehmbarer Akku, IP65-Schutz. 36 kg sind hier kein Schwergewicht, sondern solide Bauweise — ausgelegt auf bis zu 144 kg Zuladung.
Alle Daten auf einen Blick
| Technische Daten | Castor | Pollux |
|---|---|---|
| Spitzenleistung | 1320 W | 1200 W |
| Dauerleistung | 900 W | 500 W |
| Drehmoment | 40 Nm | 35 Nm |
| Steigfähigkeit | 20 % | 18 % |
| Höchstgeschwindigkeit | 45 km/h | 22 km/h |
| Reichweite (normal–optimal) | 34–44 km | 38–50 km |
| Reifen | 12″ schlauchlos | 12″ schlauchlos |
| Gewicht | 36 kg | 36 kg |
| Straßenzulassung (ABE) | nein | ja |
Herstellerangaben laut streetbooster.de, geprüft am 05.06.2026. Modi-Geschwindigkeiten im Praxistest gemessen.
Was kostet der Antrieb?
Ein Punkt, den kaum ein Test durchrechnet — dabei zählt er im Alltag am meisten. Der Castor-Akku fasst 46,8 V × 11,5 Ah = rund 538 Wh (laut Typenschild). Eine Vollladung kostet bei aktuellem Haushaltsstrom (31–37 ct/kWh) rund 0,17–0,22 €. Auf 100 km gerechnet zeigt sich der wahre Unterschied:
Der herausnehmbare Akku — geladen an der Steckdose zuhause oder per eigener Solaranlage. Geladen wird in der Wohnung oder per PV.
Castor für Wald, Schotter und Steigung — Pollux für Stadt, Pendeln und Pflaster.
Zwei Charaktere, ein Revier
Castor — das Offroad-Gerät
Saftige 40 Nm, viel mehr Power, hohes Durchsetzungsvermögen. Gemacht für Schotter, Waldwege, steile Anstiege und losen Untergrund. Wer echtes Gelände fahren will, spielt mit dem Castor seine Stärken voll aus.
Pollux — der Allrounder
Mit Straßenzulassung, ruhiger abgestimmt, sparsamer. Im Alltag — Stadt, Pendeln, Pflaster — die deutlich sinnvollere Wahl. Stabil, kontrolliert, unkompliziert.
Material für eure Kanäle
Im Archiv liegen alle Fotos und Videos aus dem Test — auch die, die es nicht in diesen Bericht geschafft haben. Frei zum Download für Social Media und mehr.






